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Der Tag vor der Mission...

Gestern hat Manx angerufen und bereits angekündigt, dass sie morgen ( also mittlerweile heute ) endlich mit den endgültigen Plänen vorbeikommen werde.
Also konnte ich Freitagabend getrost weggehen und musste nicht ständig damit rechnen, auf die Mission zu müssen.
Allerdings musste ich heute ja fit genug sein, so dass sich der Alkoholkonsum auf zwei Longdrinks beschränkte, was aber nicht weiter schlimm war.
Eine Weile saß ich nur an der Bar, wurde aber später öfter mal zum Tanzen aufgefordert, was ich auch gerne angenommen habe. Wenn ich sowas wie in Hobby habe, dann ist es Tanzen. Dabei muss ich an nichts denken und es macht mir Spaß mich zu Musik zu bewegen.
Mit einem Mann tanzte ich längere Zeit und er war wirklich sehr nett. Und da ich mir keine Hoffnungen machte, auf Crawford zu treffen, aber wirklich mal etwas mit einer Umarmung vergleichbares gebrauchen konnte, haben wir später miteinander geschlafen. Er hat ein Zimmer in einem LH genommen und war auch sonst sehr rücksichtsvoll und zuvorkommend. Natürlich war und bleibt es Sex mit einem Fremden, den ich vermutlich nie wieder sehen werde, aber zumindest war es eine angenehme Nacht. Doch meine Gedanken schweiften manchmal ein wenig ab, ich fragte mich, wie es sein würde, mit Crawford hier zu liegen, ob es sich genauso anfühlen würde… so innerlich hohl… Ich habe meine „Umarmung“ bekommen, kann auch sonst nicht über mangelnde Rücksicht des anderen klagen, aber Geborgenheit habe ich keine verspürt…

Jedenfalls ist es nun Samstagmittag, das Wetter ist wieder ein wenig drückender geworden, aber längst nicht so unerträglich wie noch Anfang der Woche. Manx dürfte bald vorbeikommen und heute Nacht geht es dann also endlich los…
Falls ich mich nicht mehr melden sollte, bin ich wohl draufgegangen ^^° Oder liege vielleicht auch im Krankenhaus…
Aber eigentlich bin ich zuversichtlich, auch wenn es nicht ganz einfach wird, so konnten wir uns bisher immer auf Ayas und Omis Planung verlassen und es ist ja nicht, als ob das hier unsere allererste Mission wäre…

Mehr gibt es gerade nicht zu erzählen, weil mein Alltag wie jeden Tag aussieht.
1.7.06 18:03


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Viel zu erzählen...

Da bin ich mal wieder… lebe also noch, wenn auch nur gerade so.
Es ist viel passiert… sehr viel… das könnte jetzt etwas länger werden und ich bemühe mich, ein wenig Ordnung reinzubringen…


Alles fing damit an, dass Manx wie angekündigt am Samstagabend endlich mit sämtlichen Informationen kam und uns so die letzten Planungen ermöglichen sollte.
Jeder darf sich jetzt mal vorstellen, wie wir im Keller sitzen respektive stehen und Manx’ Erläuterungen folgen. Alle mit höchster Konzentration und Omi nebenher bereits am Weiterverarbeiten der Daten mithilfe des PCs.
Hat jeder dieses Bild vor Augen? Ja?
Okay… und jetzt stelle man sich bitte vor, wie Oracle (!) langsam unser (!!) Treppe herunterkommt (!!!) und zunächst nur zwei Worte sagt: "Absolut lächerlich."

Geschockt? Waren wir auch.
Ich dachte mich trifft der Schlag, aber diese Stimme konnte nur ihm gehören und als ich mich schnell herumdrehte, wurde meine Vermutung bestätigt. Da stand Oracle beinahe mitten in unserem Keller und musterte Manx eiskalt. Omi klang mindestens so verwirrt wie ich mich fühlte, als er ungläubig zur Treppe blinzelte. Während Ken panisch nach einer Waffe zu suchen begann, knurrte Aya ihn an, was er hier zu suchen habe. Und das interessierte nicht nur Aya. Manx setzte noch eins drauf und fragte, was denn bitte so lächerlich sei, während sie nach ihrer Pistole tastete.
Ich hab das alles noch so genau vor Augen… ich selbst habe vorläufig gar nichts herausgebracht… Was in drei Teufels Namen wollte Oracle hier unten?!? Uns die Mission versauen? Uns endlich erledigen?
Nein, eigentlich glaubte ich das nicht. Ich hatte mittlerweile ein anderes Bild von Oracle im Kopf. Eines, wo er uns zumindest nichts tat, uns eher noch half… Okay, vielleicht war da ein wenig Wunschdenken meinerseits dabei, aber auch sein ganzes Auftreten war eher… diplomatisch? Ja, vielleicht kann man es so beschreiben. Ernst, aber ruhig und beherrscht, ohne jegliche Aggressivität oder sonstige Anzeichen davon, dass er jemanden anzugreifen gedenke.
Jedenfalls blieb er in der Mitte des Raumes stehen und ließ seinen Blick kurz über uns schweifen… Keiner von uns rührte sich, er hatte uns ordentlich überrumpelt und zudem auch reichlich verwirrt.
Viel verwirrender war dann jedoch die folgende Eröffnung: Es sei hier, um uns das Leben zu retten, da Kritiker ein falsches Spiel mit uns spiele. Die Fehlinformationen seien niemals von Schwarz gewesen und ob Kritiker wirklich glaube, dass sie so billige Tricks nötig hätten, um sich unserer zu entledigen.
Außerdem hatte er Manx’ tastende Hand entweder gesehen oder eine Vision hatte ihn gewarnt, jedenfalls solle sie ihre Waffe stecken lassen, er wäre sowieso schneller.
Bevor auch nur irgendjemand anders nachhaken konnte, nahm Aya das Gespräch, das sich anzubahnen schien, mit äußerster Konzentration in die Hand.
Während ich langsam mal aufstand, um egal für was eine bessere Ausgangsposition zu haben, forderte Aya Oracle mit knappen Worten dazu auf, sich zu erklären. Manx reagierte auf Oracles Frage mit der Antwort, dass Kritiker Schwarz’ IP ermittelt habe. Jedenfalls ließ sie ihre Hand ruhen, so weit ich das sehen konnte.
Ich beneide Aya, wie er zwar leicht angespannt, aber keineswegs verkrampft, vor Oracle stand und dessen Worten lauschte. Ich war immer noch verwirrt und fragte mich, was das Ganze hier sollte und warum Oracle alleine hierher gekommen war… Und was meinte er bitte mit uns das Leben retten?!?
Oracle führte aus, dass die falschen Daten von Kritiker selbst gestammt hätten, um uns zu beseitigen. Manx selbst war es, die aussprach, was wir alle wohl dachten: Warum sollte Kritiker uns loswerden wollen? Wir waren vielleicht nicht das allerstärkste Team, aber auf jeden Fall auch nicht das schwächste.
Dann kam auch schon die nächste Enthüllung: Kritiker wolle uns loswerden, weil wir uns gegen den Zusammenschluss stellen würden.
Welcher Zusammenschluss überhaupt gemeint war, war uns allen vier rätselhaft. Oracle schien doch leicht erstaunt und forderte Manx dazu auf, uns aufzuklären.
Zwischenzeitlich hatte auch Ken es aufgegeben unruhig hin und her zu laufen und beschränkte sich darauf, mit den Blicken zwischen Aya, Manx und Oracle zu schweifen.
Manx widersprach dem allem vehement, wir sollten uns von einem Schwarz keine Lügenmärchen auftischen lassen und daran denken, wem wir unser Leben verdanken würden.
Oracle sprach dann davon, dass sich Kritiker mit Rosenkreuz zusammentun würde, was auch Aya dazu brachte, sich innerlich zu schütteln. War ja klar, dass Oracle log…
Seine Erläuterungen jedoch waren plausibel. Warum sollte er hier stehen und irgendwelche Lügen erzählen? Schwarz war uns schon immer überlegen und hätte die offene Konfrontation mit uns gesucht, wenn sie uns hätten umbringen wollen. Kritikers Antrieb für diesen Zusammenschluss sei Rosenkreuz’ Macht, da Kritiker es satt habe, nur ein kleiner Fisch zu sein.
Omi gab Oracle an dieser Stelle murmelnd Recht, und auch ich konnte mich dieser Logik nicht ganz entbehren… Ken sah jedoch nur etwas geschockt aus, wie Omi so leichtgläubig sein könnte…
Aya ließ sich zumindest scheinbar darauf ein und wollte wissen, warum dann ausgerechnet Oracle so erpicht darauf sei, uns zu retten. Woraufhin wir zu hören bekamen, dass es Verschwendung wäre, uns 4 Talente einfach nur aus Machtrangeleien heraus zu töten und vor allem, weil Weiß für Schwarz kein Feind in dem Sinne, sondern viel mehr belebende Konkurrenz wäre.
An dieser Stelle schaltete sich Manx wieder ein, die so langsam wirklich genug zu haben schien und Oracle darauf hinwies, dass er mit seinem Spielchen so langsam aufhören könne.
Die nächste Bombe die Oracle hochgehen ließ, war, dass Persha niemand anders als Reiji Takatoris Bruder sei und diesem nicht mal so unähnlich sei. An dieser Stelle sind Aya beinahe die Gesichtszüge entgleist. Wäre das alles nicht so verdammt ernst gewesen, hätte ich mich vielleicht darüber amüsiert.
Wir waren jedenfalls nun alle zur Genüge verwirrt und Oracle schien beinahe erbost darüber zu sein, wie wenig wir augenscheinlich wussten. Aya tat wohl das einzig Richtige und forderte Manx mit Nachdruck auf, nun endlich mit der Sprache herauszurücken, was hier vor sich gehe.
Diese gab zu, dass Persha Reiji Takatoris Bruder sei, aber aus eben jenem Grund Kritiker aufgebaut habe, weil er gegen seinen korrupten Bruder vorgehen wolle. Alles andere sei ausgemachter Blödsinn und wir sollten lieber mal Oracle angreifen, anstatt sie hier zu verdächtigen.
Das mit den Takatoris passte uns ja dann doch mal gar nicht in den Kram und vor allem Omi und Aya waren recht erbost und verlangten nach einer Erklärung, wieso man uns das verschwiegen hatte. Gleichzeitig versuchte Manx wieder ihre Pistole zu ziehen, wurde jedoch von Oracle insofern daran gehindert, dass dieser schneller war und ihre Waffe einforderte.
Eigentlich hätten wir Manx in diesem Moment beschützen müssen, aber keiner schien sich dazu durchringen zu können, zu verworren war das Ganze. Oracles Erklärungen machten Sinn, trafen uns jedoch wie ein kalter Guss aus heiterem Himmel. Ken ließ sich auf den nächsten Sessel fallen und verursachte, das erstmal alles zu verdauen.
Eine weitere kleine Überraschung war, dass Oracle Aya die Waffe, die er gerade Manx abgenommen hatte, zuwarf. Ein raffinierter Zug von ihm, denn diese Geste ließ ihn gleich noch glaubhafter erscheinen. Er steckte seine eigene Waffe daraufhin weg und die ganze Situation entspannte sich wieder ein wenig.
Ich war ebenso verwirrt wie die anderen, aber irgendwie habe ich jetzt im Nachhinein das Gefühl, dass ich nur stummer Beobachter war, das es gar nicht anders hätte ausgehen können, als es schlussendlich ausging… Ein komisches Gefühl, das ich nicht genau beschreiben kann… Jedenfalls war ich irgendwie sehr erleichtert, dass Oracle es wirklich ernst zu meinen schien und uns bisher auch keinen Grund für unnötiges Misstrauen gegeben hatte… Vermutlich wollte ich mir selbst nur vor Augen führen, wie toll dieser Mensch doch ist, damit ich wieder einen Grund mehr hatte, mir irgendwelche Hoffnungen zu machen…
Dabei hatte ich eigentlich grad viel schwerwiegendere Probleme.
Omi hatte die Sprache wieder gefunden und schaltete sich jetzt ein, fragte Oracle, wieso er das alles wisse. Alles habe mit einer für ihn verwirrenden Vision begonnen, welcher er auf den Grund gegangen sei. Er und Prodigy haben schließlich herausgefunden, was geplant war und er wusste, dass wir uns dagegen stellen würden. Und da wir mehrmals unvorbereitet in Missionen geschlittert waren, deren Informationen wir von Kritiker erhalten hatten, obwohl Prodigy die richtigen Daten extra so ausgelegt hatte, dass Kritiker sie finden musste, hatte er Gewissheit gehabt, dass Kritiker uns loswerden wolle und so beschloss er uns zu helfen.
Auf mein Nachfragen, wie er darauf kam, uns zu helfen, bekamen wir zu hören, dass Schwarz uns in gewissem Sinne möge.
Okay, okay, es war zwar eingeschränkt, klang aber alles in allem doch ganz schön, oder?
Manx hatte zusehends an Selbstbewusstsein verloren im Laufe der Diskussion und versuchte nun erneut, Oracle aus dem Konzept zu bringen, indem sie an unsere Treue zu Kritiker und an unseren gesunden Menschenverstand appellierte.
Das Ergebnis war, dass Omi ihr mal klipp und klar gesagt hat, dass Kritiker uns wichtige Informationen vorenthalten hat und ich sie fragte, wer denn hier derjenige sei, der uns all die Zeit getäuscht habe.
Ab diesem Moment war meine Entscheidung, Oracle zu glauben bereits gefallen. Manx wirkte relativ unsicher und konnte irgendwie keine für uns plausiblen Erklärungen mehr vorbringen.
Unterdessen hatte Oracle Aya einen Umschlag gereicht, in welchem sich ein Angebot einer anderen Organisation befand, die bereit wäre, uns aufzunehmen. Während Aya die Schreiben überflog ließ Oracle noch ein paar Bemerkungen über Omis Vergangenheit fallen, ob Kritiker es nicht für nötig halte, es zumindest ihm zu sagen. Er schien beinahe erbost und fragte Manx erneut, wie viele Informationen Kritiker uns eigentlich noch vorenthalten hatte.
Dass Oracle etwas über Omis Vergangenheit und auch über seine Amnesie wusste, verwirrte und glaube ich alle und Omi schaute ihn nur recht entgeistert an.
Aya unterdessen wusste so langsam wohl wirklich nicht mehr, was er tun sollte. Zugegeben, ich möchte nicht in seiner Haut als Leader gesteckt haben zu diesem Zeitpunkt. Oracle schlug vor unter vier Augen mit Omi zu reden und Aya stimmte schließlich noch etwas widerstrebend zu, nicht ohne Oracle vor unbedachten Handlungen gewarnt zu haben. Auch Ken und mich schickte er aus dem Raum und während Ken mit den Nerven relativ unten durch schien, hatte ich mein Glauben bereits Oracle geschenkt und Manx mein Misstrauen. Nichtsdestotrotz war ich alles andere als ruhig und tigerte durch die Küche, während ich auf Aya wartete. Oracle und Omi waren oben in Omis Zimmer und Ken war direkt nebenan, da hatte ich keinerlei Sorgen. Auch dass Aya die richtige Entscheidung fällen würde, machte mir nicht die meisten Sorgen… auf Aya konnte man bauen in solchen Sachen, da lag er nie daneben. Und ich in der Regel auch nicht. Und Oracle war überzeugend gewesen, ohne Frage. Manx’ ganzes Auftreten gegen Ende der Diskussion hin war recht verdächtig und ich glaubte meiner Intuition. Ob die anderen das auch so sahen, wusste ich jedoch nicht. Und ein wenig unglaublich klang das Ganze ja schon… aber es machte so verdammt viel Sinn.
Bevor Aya jedoch nach Manx, die wortlos verschwand, aus dem Keller kam, ging Oracle noch einmal nach unten Ich hatte also immer noch nichts zu tun und auch niemandem zum Reden und ging mal nach unserem Chibi schauen, welcher recht geknickt auf seinem Bett saß. Was ich nach wenigen erklärenden Sätzen auch sehr gut nachvollziehen konnte. Unsere gute Seele von Omi war niemand anderes als der als vermisst geltende jüngste Sohn von Reiji Takatori, dem Mann, gegen den wir unter anderem seit langem vorgehen.
Das war natürlich noch eine weitere herbe Überraschung, war aber letzten Endes mir zumindest recht egal, da Omi sich klar für uns und gegen seine Familie aussprach und sich somit in dieser Hinsicht nichts ändern würde. Ob Aya das ebenso sehen würde, konnten wir zwar beide nicht sagen, aber da stand ich voll und ganz hinter unserem Chibi; seine Eltern kann man sich schließlich nicht aussuchen.
Omi ließ sich zum Glück recht leicht wieder aufmuntern, er hat seinen Spitznamen „Sonnenschein“ schon zu recht… jedenfalls erzählte er mir, dass Oracle ihm vorhin, als sie beide allein miteinander geredet hatten, überhaupt nicht wie ein Feind oder so erschienen wäre, sondern dass sich dieser eher väterlich verhalten hätte, in seiner ganzen Gestik und den Erläuterungen. Omi fand das, wie er sich ausdrückte, ziemlich „cool“ und für mich hatte Oracle gerade einen weiteren Pluspunkt bekommen. Wenn nicht nur meine Intuition positiv auf jemanden anspringt, sondern auch noch Omis, dann kann ich mich da ziemlich sicher drauf verlassen. Jedenfalls hat es mich gefreut, dass Omi das ganze Gegner- und Konkurrenzding nicht so ernst zu nehmen schien, außerhalb von Missionen.

Kurz darauf haben wir zu viert darüber beraten, wie wir nun weiter vorgehen. Aya hatte uns alle drei unabhängig voneinander zu unserer Meinung zu dem Ganzen befragt und es stellte sich heraus, dass wir alle Oracle mehr Glauben schenkten als Kritiker. Jedoch stand uns immer noch der Hit ins Haus und Aya hatte Manx auch zugesagt, dass wir kommen würden.
Warum er das gesagt hatte, wurde uns erst nach einigen Sekunden klar. Aya ist zu demselben Schluss gekommen wie wir, konnte Manx gegenüber aber schlecht sagen, dass wir über das Angebot, welches Oracle mitgebracht hatte, nachdenken müssen, oder jetzt einfach zu unsicher für die Mission seien. All dies hätte Manx’ Misstrauen verstärkt, denn auch sie hatte bemerkt, dass wir Oracle im Verlauf der Diskussion zu glauben begonnen hatten.
Aya war so raffiniert, ihre Bedenken so gut wie möglich zu zerstreuen, indem er ihr die feste Zusage gab und sich auch genauso verhielt wie sonst. Dabei war auch er aufs Höchste alarmiert. Er hatte die ganze Verantwortung zu tragen und durfte sich jetzt keinen Fehler erlauben, weil dieser uns womöglich den Kopf kosten könnte. Deshalb schickte er mich und Omi los, damit wir uns von einem öffentlichen Rechner aus bei Kritiker einhacken und Gewissheit bekamen, was dort gespielt wurde. Oracle hatte Aya auch recht genau den Verlauf der Mission geschildert, sodass wir uns auf das Schlimmste vorbereiten konnten. Zugleich würden wir auf dem Hit endgültige Gewissheit bekommen, ob Kritiker uns ausschalten wollte.
Erst während der Beratung fiel uns auf, dass wir unser gesamtes bisheriges Leben verlieren würden, falls Oracle Recht haben sollte. Das Koneko wäre nicht mehr sicher und auch Ayas Schwester konnte nicht länger in Kritikers Obhut bleiben. Es galt also, einen Notfallplan zu entwickeln. Dieser sah unsere Flucht zu einer von uns bereits vor längerer Zeit eingerichteten Zufluchtshütte mitten im Wald ein gutes Stück außerhalb von Tokyo vor. Um uns vor allen Eventualitäten zu schützen, entwarfen Aya und Ken also den Fluchtplan, während Omi und ich uns von einem Internetcafe aus bei Kritiker einhackten und gleichzeitig auch mal die Daten des Angebots der anderen Organisation checkten.
Wir waren jedenfalls den ganzen restlichen Abend damit beschäftigt uns gegen alle Eventualitäten zu wappnen, denn Omi fand bei Kritiker keine Informationen, die Oracle widersprochen hätten; zwar auch keine eindeutigen Hinweise, aber dennoch war die Unruhe in uns geweckt und keiner von uns wollte bei diesem Hit abdanken, nur weil wir Kritiker vielleicht unbequem werden könnten…

Es war auf jeden Fall ein anstrengender und stressiger Abend, aber schlussendlich hofften wir doch, nun auch wirklich alles vorbereitet zu sein. Wir fuhren mit drei Fahrzeugen zum Missionsgelände, jeder mit seinen üblichen Waffen und einer zusätzlichen kugelsicheren Weste ausgestattet. Konnte ja sein, dass sich die Kugel eines Kritikeragenten in unsere Rücken verirrte… Zudem hatte jeder eine Art „Notfallpaket“ geschnürt und in Ayas Wagen gepackt, damit wir, falls wir fliehen mussten, zumindest das Nötigste dabei hatten.
Wir waren wohl angespannt wie nie, unsere Nerven und Sinne aufs Äußerste gespannt und vor allem durften wir uns nichts anmerken lassen.
Omi hatte uns einen weiteren Kanal in die Headsets gebaut, sodass wir auch etwas funken konnten, was die anderen Teams nicht unbedingt hören sollten, außerdem hatten wir unsere Fahrzeuge verteilt, sodass wir zur Not auch eins stehen lassen konnten…

Dermaßen gewappnet gingen wir also zu unserem Auftrag, der auch erst ganz normal begann.
Ich will es kurz machen:
Oracle hatte Recht.
Und wir hatten gut daran getan, ihm zu glauben und uns vorzubereiten.
Aya und Omi wurden gleich zu Beginn von Ken und mir getrennt und wir mussten uns in einem größeren Team vorwärts bewegen, während die anderen beiden alleine in einem ganz anderen Gebäude auf dem Gelände ihre Arbeit taten.
Als sich die Mission dem Ende näherte, geschah dann das von Oracle Vorhergesehene und wir hatten plötzlich einen Haufen Feinde mehr. Ich erspare mir an dieser Stelle die Einzelheiten, jedenfalls waren wir mehr als froh über unsere kugelsicheren Westen und kamen auch nicht ganz unverletzt aus der ganzen Sache heraus.
Ken und ich haben uns irgendwann verloren, ich konnte also nur hoffen, dass er, ebenso wie Aya und Omi, heil aus dem Gebäude rauskam. Und ich musste zusehen, dass ich nicht als Schweizer Käse bei meinem Auto ankam, das ich zwar vorsorglich etwas weiter weg geparkt habe, damit ich gut wegkomme, mir das aber beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Dass mich eine Kugel am rechten Oberarm erwischt hatte, habe ich erst bemerkt, als mir etwas Warmes über die Hand lief… Ich war vermutlich zu sehr damit beschäftigt, mir den Weg freizukämpfen und dabei zu überleben, als dass ich den Schmerz spüren konnte.
Nach mir ewig erscheinenden Minuten kam ich so weit von meinen Verfolgern weg, dass ich sie ein wenig verwirren und abhängen konnte. Ich brauche einen kleinen Vorsprung, wenn ich heil in meinen Wagen kommen wollte. Zudem lag noch eine nicht zu kurze Strecke vor mir, denn unser Unterschlupf liegt außerhalb Tokyos in einem Waldstück…
Ich weiß nicht genau wie, aber ich habe es geschafft, bis zu meinem Auto zu gelangen und mir peitschten auch keine Schüsse mehr um die Ohren. Schnell schloss ich die Autotür auf und saß noch nicht richtig drin, als mir etwas falsch vorkam… ein fremder Geruch lag in der Luft. Bevor ich das jedoch bewusst verarbeitet hatte, hatten mich meine Instinkte bereits wieder aus dem Wagen getrieben. Was mir das Leben gerettet hat.
Kaum dass ich einige Meter zwischen mich und den Wagen gebracht hatte, flog dieser in die Luft. Die Explosion war zwar nicht mehr sonderlich stark als die Druckwelle mich erreichte, war aber noch heftig genug, um mich von den Beinen zu holen. Aber insgesamt ging das alles sehr glimpflich ab und ich konnte mich gut abrollen und stand kurz darauf wieder. Da die anderen ihre Fluchtfahrzeuge bereits erreicht hatten, half mir auch das Headset nichts mehr, denn wir hatten verabredet, uns ihrer so schnell wie möglich zu entledigen, um nicht Gefahr zu laufen, von Kritiker irgendwie geortet zu werden. Gleiches galt für unsere Handys.
Schöner Schlamassel also… So langsam machten sich auch meine Blessuren bemerkbar und ich begann schon leise vor mich hin zu fluchen. Immerhin konnte ich so wie ich aussah schlecht in die nächste U-Bahn steigen und ich wusste auch nicht, wie viel Zeit mir noch blieb, bis jemand hier vorbeikam um sich davon zu überzeugen, dass ich das Zeitliche gesegnet hatte… In dem Moment schoss es mir siedendheiß, dass es Aya und Ken ja genau so ergangen sein könnte wie mir… was definitiv nicht gut gewesen wäre. Schlussendlich stellte sich aber heraus, dass wir Kritiker keine Zeit gelassen hatten, alle Fahrzeuge zu präparieren.
Mein vorrangigstes Problem war also, hier ungesehen weg zu kommen…
Bevor ich mir noch weiter den Kopf darüber zerbrechen konnte, wie ich das zu Fuß bewerkstelligen sollte, trat jemand aus dem Schatten des neben mir liegenden Gebüschs. Sofort machte ich mich wieder kampfbereit, erkannte aber noch im selben Moment, dass mir kein Kritikeragent gegenüberstand. Eigentlich hätte ich mir ja denken können, dass er auch irgendwo sein musste, denn immerhin war es ihm zu verdanken, dass wir nich blind in die Falle gelaufen waren.
Oracle ließ mir keine Zeit zum Protestieren sondern schnappte mich nach einem kurzen musternden Blick und schleifte mich in die Büsche. Ich hatte alle Hände voll zu tun nicht der Länge nach hinzufallen, denn Oracle hatte es verdammt eilig. Warum, wurde mir klar, als ich Stimmen aus dem Gebäude kommen hörte, welches wir gerade hinter uns ließen.
Oracle erschien mir wie ein Schutzengel, den irgendjemand geschickt hatte… und ich bin bestimmt nicht gläubig. Aber in diesem Moment, war ich so froh, Kritiker nicht alleine entgegentreten zu müssen. Auf den Gedanken, dass Oracle mich vielleicht töten oder mit sonst etwas antun würde, kam ich erst gar nicht. Was manche vielleicht befremdlich finden mögen… aber ich traute ihm zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als vielleicht gut war…
Kurz darauf gelangten wir zu seinem laufenden Wagen und mit einem deutlichen Schubs beorderte er mich auf den Beifahrersitz und fuhr noch bevor ich die Tür richtig schließen konnte los.
Womit er mir vermutlich erneut das Leben gerettet hatte…
Zunächst war nur mein, mir unnatürlich laut vorkommendes, Keuchen zu vernehmen. Oracle war auf demselben Wege wie ich auf das Gelände gelangt und fuhr diesen Weg in halsbrecherischem Tempo nun zurück.
„Das war verdammt knapp…“ murmelte er und blickte kurz zu mir rüber. Anscheinend hatte eine Vision ihm gezeigt, in welcher Lage ich mich befunden hatte. Jedenfalls beruhigte sich mein Atem langsam ein wenig und auch das Adrenalin puschte mich nicht mehr so sehr.
Leise, beinahe verunsichert, dankte ich ihm. Dieser Mensch brachte ich mich selbst kurz nachdem ich dem Tod entronnen war, noch durcheinander und verunsicherte mich. Nie wusste ich, was er gerade dachte…
Da ich keine andere Wahl hatte, sagte ich ihm schließlich die grobe Richtung in welche ich musste. Ich hatte die Wahl zwischen laufen und irgendwann in zwei Tagen ankommen und Oracle zumindest ungefähr unser Versteck zu verraten.
Aya wäre zwar nicht begeistert, aber hatte ich denn eigentlich eine Wahl? Zumal ich sowieso kein Misstrauen gegen Oracle hegte…
Dieser schien aufs Äußerste konzentriert und ich vermutete, dass er mit seinen Visionen arbeitete. Jedenfalls hielt er nach etwas 10 Minuten auf der Autobahn an einem kleinen Rastplatz, wo sich gerade keine Menschenseele befand. Gerade als ich den Mund geöffnet hatte um nachzufragen, was das sollte, stieg er auch schon aus, ging an den Kofferraum und stand kurz danach vor mir, denn ich war immer noch verwirrt ebenfalls ausgestiegen.
Als er leise meinte „Zeig her“, habe ich erstmal fragend die Stirn gerunzelt. Was ist denn jetzt schon wieder? Irgendwie war mein ganzer Verstand und auch mein Körper schrecklich matt… Als er dann auf seinen eigenen Oberarm deutete, wurde mir auch klar, was er meinte. Ich hatte die ganze Zeit über die linke Hand auf den Arm gepresst um die Blutung zu mindern und wohl auch einfach aus dem Reflex heraus, dass mir diese Stelle wehtat.
„Wir haben nicht viel Zeit, wenn wir Kritiker entkommen wollen, aber du versaust mir das Auto.“ waren die erklärenden Worte, als er mir den Mantel von der rechten Schulter streifte, in welchem mir ohnehin viel zu warm war, und die Wunde bei dem schwachen Licht der Laternen begutachtete. Ich ließ ihn gewähren, Protest wäre ohnehin sinnlos gewesen und es stimmte, dass mir das Blut von den Fingerspitzen tropfte. Also schlüpfte ich ganz aus dem Mantel, in dessen Rascheln auch mein scharfes Einziehen der Luft untergegangen sein dürfte. Warum mussten Wunden immer dann besonders wehtun, wenn jemand sie verband?
Sobald er den Verband fixiert hatte wischte ich mit dem ohnehin ruinierten Mantel meinen Arm und die Hand ab. Bis auf den Streifschuss schien ich soweit unverletzt, jedenfalls war dies die einzige wirklich blutende Wunde.
Erneut war es an mir, ihm zu danken und so langsam musste ich mir wirklich was einfallen lassen, um das jemals wieder gut machen zu können…
Während ich wieder einstieg, kam die Angst in mir auf, dass es bei den anderen nicht so glimpflich abgelaufen sein könnte wie bei mir… Vor allem Omi war laut einer Voraussage Oracles gefährdet gewesen und ich hoffte, dass Aya auf den Kleinen hatte aufpassen können.
Man schien mir meine Sorgen anzusehen, denn Oracle beruhigte mich, dass alle soweit okay wären und vor uns im Versteck ankommen würden. Mit einem leisen Seufzen ließ ich mich in die Rückenpolster sinken und bekam nur am Rande mit, dass wir wieder losfuhren. Ich wollte einfach nicht nachdenken, über das was noch vor uns lag. Einfach ein wenig zur Ruhe kommen und das nervige Pochen in meinem Arm vergessen. Und beides war mir vergönnt, denn das Wissen, Kritiker vorläufig entkommen zu sein und Oracles diesbezügliche Vorhersage, dass sie uns heute und morgen bestimmt nicht finden würden, ließ mich ein wenig aufatmen und entspannen. Wobei ich letzteres mehr auf die Anwesenheit Oracles zurückführte, den ich in Gedanken längst nicht mehr beim Missionsnamen nannte. Dieser Mann neben mir hatte nicht nur mir, sondern wohl uns allen das Leben gerettet und kümmerte sich obendrein auch noch um mich, half mir aus der Patsche und versorgte sogar meine Wunde… Und saß dann augenscheinlich recht entspannt am Steuer dieses überaus geschmackvollen Wagens und beruhigte mich allein durch seine bloße Anwesenheit. Da ich ohnehin nichts besseres zu tun hatte, ließ ich meine Blicke unauffällig über den wohlgeformten Körper schweifen, die kräftigen Arme, der sicherlich durchtrainierte Oberkörper, der von dem weißen Anzug verdeckt wurde, das markante Gesicht, welches beinahe komplett im Dunkeln lag und die leicht bläulich schimmernden Haare…
Zumindest meinen Augen konnte ich während der Fahrt etwas Gutes tun. Und musste mir innerlich immer wieder vorhalten, dass ich mich Traumschlössern hingab.
Eine wohlige Mattheit hatte mich irgendwann eingelullt und erst als ich den weiteren Weg beschreiben musste, brachen wir das angenehme Schweigen, welches geherrscht hatte.

Erst wollte ich, dass er mich irgendwo herausließ, aber als er sich weigerte gab ich schließlich nach und er brachte mich bis direkt an unser Versteck. Er stellte seinen Wagen neben Ayas ab und ich musste mich erst ein wenig orientieren, um den Weg zu der Hütte zu finden, denn es war immer noch dunkel und schon eine Weile her, dass ich hier gewesen war. Schließlich waren wir dann in der Hütte und Aya war wie vorhergesagt nicht sonderlich begeistert über Oracles Anwesenheit. Dieser argumentierte unseren angeschlagenen Leader allerdings in Rekordzeit in Grund und Boden, dass wir wohl auf ein wenig Hilfe angewiesen seien und dass ich es anders wohl kaum hierher geschafft hätte und so weiter. Ich hab die Diskussion schon gar nicht mehr ganz mitbekommen, sondern habe nur kurz nach Omi und Ken gesehen, die mehr oder weniger unverletzt waren, jedoch Prellungen am Oberkörper hatten. Woher diese rührten wurde mir auch klar, als ich mich aus meinem Oberteil kämpfte und die kugelsichere Weste ablegte. Grünlich schimmerten mir zwei große Flecken entgegen, die von der Wucht der Kugeln zeugten. Wie auch schon beim Verbinden meines Arms taten die Stellen mehr weh, je mehr man sie beachtete, also schmiss ich nur meine Klamotten im Bad zu denen der anderen und beließ es bei Katzenwäsche, weil ich sonst den Verband wieder hätte entfernen müssen. Für überflüssige Kleidungsschichten war es definitiv zu warm und da ich ohnehin vorhatte, gleich ins Bett zu kriechen, beließ ich es bei Shorts und tappte zurück zu den anderen. Die diskutierten gerade, ob wir jemanden bräuchten, der Wache stände, was Oracle jedoch verneinte. Zwei Tage hätten wir mit absoluter Sicherheit unsere Ruhe, wir sollten uns also lieber gut ausruhen und erholen. Er besprach noch kurz mit Aya, ob wir hier Telefon und Internet hätten, was wir beides haben. (Sonst könnte ich mir jetzt nicht den ganzen Kram hier mal von der Seele schreiben…)
Aya wollte sich nach wie vor nicht blind auf Oracles Visionen verlassen und schien deshalb doch Wache schieben zu wollen. Ich jedenfalls hatte ein wenig Schlaf nötig und fühlte mich nicht nur körperlich erschöpft… Wir hatten innerhalb kürzester Zeit unser zu Hause und unsere Sicherheit verloren. Das war schon ein derber Schlag und musste erstmal verdaut werden. Ich jedenfalls murmelte noch irgendwas von „ins Bett“ und verschwand dann in dem Zimmer, das ich mir mit Omi teilte. Dieser kam auch kurz darauf und legte sich hin, das war das letzte was ich am Rande noch mitbekam bevor ich einschlief.


Man hätte annehmen sollen, dass ich am nächsten Tag erst gegen Nachmittag erwachen würde, allerdings ließen mich unruhige Träume bereits nach wenigen Stunden wieder aufschrecken. Draußen waren die typischen Geräusche des Waldes zu hören und die Sonne schien vor Kurzem aufgegangen zu sein. Ich schlüpfte leise in eine Jeans, die ich bereits vor ewigen Zeiten hier deponierte hatte und die deshalb auch ein wenig zu weit war, und ging nach draußen, nachdem ich mir meine Zigaretten genommen hatte. Wie sich Oracle und Aya nun schlussendlich geeinigt hatten, wusste ich nicht. Ebenso wenig wie ich mich bei Oracle bedankt hatte. Ich klatschte mir innerlich an die Stirn, während ich meine Zigarette anzündete und mich dann streckte. Dieser war sicherlich schon längst wieder bei sich zu Hause oder auf der Arbeit, während ich vorläufig nichts tun konnte, außer hier zu bleiben und Aya und Omi planen zu lassen. Die drei schienen alle zu schlafen, denn ich hatte niemanden gesehen oder gehört und auch hier draußen konnte ich niemanden entdecken. Gedankenversunken rauchte ich also meine Zigarette und bemerkte beinahe zu spät, dass jemand auf mich zukam. Bevor ich noch richtig reagieren konnte, erkannte ich aber Oracle, der ein wenig übernächtigt aussah. Oder vielmehr so aussah, wie ich mich immer noch fühlte.
Er erkundigte sich nach meiner Verletzung und ich glaubte, ehrliches Mitgefühl in seinen Augen erkennen zu können. Das Bild des Schwarz’, des gegnerischen Orakels, hatte sich spätestens gestern während der Autofahrt komplett in Luft aufgelöst. Ich traute diesem Mann, der für mich nicht länger Oracle, sondern Bradley Crawford hieß. Jedenfalls redeten wir ein wenig, während wir auf der kleinen Veranda standen und ich mittlerweile meine zweite Zigarette rauchte. Ich hatte nicht unbedingt Schmetterlinge im Bauch, oder war total nervös aufgrund seiner Gegenwart… aber ein wenig mulmig war mir doch. Ich machte mir so langsam ernsthafte Hoffnungen, Crawford besser kennenlernen zu können, trotz oder gerade wegen der widrigen Umstände. Jedenfalls fühlte ich mich so neben ihm stehend angenehm ruhig und konnte die Gefahr einige Minuten komplett vergessen.
Wir redeten natürlich auch über die jetzige Situation von Weiß, und dass das alles momentan gar nicht rosig aussah, war uns beiden klar. Auch war nicht klar, wie lange Kritiker brauchen würde, um uns hier zu finden und ob wir bis dahin Schutz in der anderen Organisation gefunden haben würden.
Crawford drückte mir einen Zettel und einen Schlüssel in die Hand mit den Worten: "Dies ist meine Wohnung, wenn ich Ruhe suche. Ich bezweifle, dass Kritiker sie so schnell finden wird. Ihr könnt sie nutzen, wenn ihr von hier wegmüsst." und ging dann ein paar Schritte weg.
Ich schaute völlig perplex auf die Sachen in meiner Hand und folgte ihm, um sie ihm zurück zu geben. Das konnten wir doch nicht annehmen… zumal Aya es auch gar nicht annehmen wollen würde. Mich freute es irgendwie schon, dass er uns so viel half, dass wir, und somit auch ich, eine Bedeutung für ihn hatten. Aber was zu weit ging, ging zu weit. Also gab ich ihm die Sachen mit dieser Erklärung zurück. (An dieser Stelle sei vorgreifend schonmal erwähnt, dass ich den Schlüssel und die Adresse mittlerweile doch wieder habe.)
Ich bedankte mich in aller Form bei ihm und konnte meine Dankbarkeit dabei immer noch nicht ausdrücken. Eigentlich gehörte mein Leben ihm, denn er hatte es zweimal gerettet.
Er machte sich allerdings bald darauf auf den Weg zurück und ich legte mich noch einmal ein wenig hin.
Der Rest des Tages verlief bisher eher unspektakulär, wir versuchen uns so schnell wie möglich wieder zu erholen und Aya und Omi haben Kontakt zu der Organisation aufgenommen. Heute Abend werden sie wohl genauere Informationen haben und dann werden wir wohl beraten, wie es jetzt weitergeht. Zurzeit hängt jeder irgendwie seinen Gedanken nach und ich habe mal den PC für mich beansprucht, da ich sonst eh nichts zu tun habe und es ganz gut tut, einfach alles aufzuschreiben.
Ich hoffe auf jeden Fall, dass Crawford später nochmal vorbeikommt… ich muss zugeben, dass ich seine Nähe vermisse, denn das Wissen, dass jemand der mich beruhigen und beschützen kann, in meiner Nähe ist, reicht schon aus, dass ich mich besser fühle.
2.7.06 16:32


Weitere Veränderungen...

@Yu-chan:

Ja, es war wirklich knapp und wir können von Glück sagen, dass Crawford uns so hilfreich zur Seite stand und immer noch steht.
Und es ist wohl wahr eine Gelegenheit, ich hoffe nur, ich bilde mir nicht zuviel darauf ein, dass er ein wenig nett zu mir ist… und versauen darf ich es dann natürlich auch nicht. Ich habe mich lange nicht mehr so zu einem Mensch hingezogen gefühlt, ehrliche Gefühle dabei verspürt, einfach nur jemanden näher kennen lernen zu wollen… Crawford ist eine Art Ruhepol für mich, es sei denn natürlich, er verwirrt mich dermaßen, dass ich unruhig werde *leicht grins*


Was ich beim letzten Eintrag vergessen hatte zu erwähnen, ist, dass Crawford sogar an frische Lebensmittel für uns gedacht hat. Wir hatten zwar einige Konserven hier gebunkert, aber auch Dosen halten sich nicht unbedingt ewig und vor allem schmecken frischere Sachen einfach auch besser. Aya war zwar nicht sonderlich glücklich darüber, aber so langsam scheint er sich damit abgefunden zu haben, dass Crawford uns geholfen hat, hilft und so wie es aussieht auch weiterhin helfen wird. Wie wir alle diese Schuld je wieder gut machen sollen, ist mir ein Rätsel. Aber eines, worüber ich mir gerade den Kopf nicht auch noch weiter zerbrechen möchte.

Am Abend kam Crawford auch tatsächlich nochmal vorbei, nachdem wir ein wenig gegessen hatten. Hunger hatte niemand so recht, obwohl unsere letzte Mahlzeit bereits knappe 24 Stunden zurücklag und obwohl die eigentliche Mission ja abgeschlossen war. Für meine und Ayas Appetitlosigkeit mache ich mal vor allem die Schmerzmittel verantwortlich, denn auch wenn weder er noch ich es zugeben würden, die Wunden schmerzen doch schon nicht zu knapp. Selbst mit den Schmerzmitteln kommen wir dem nicht hundertprozentig bei, aber es ist erträglich. Omi hatte auch noch keine Gelegenheit mit Aya zu reden, das wird gleich die nächste Überraschung geben… aber auch hierüber möchte ich mir den Kopf gerade nicht zerbrechen.

Wichtiger ist, dass Aya und Omi mit der Organisation aufgenommen haben und diese angeboten hat, uns hier abzuholen, sodass wie Geleitschutz hätten. Wohnen würden wir vorläufig im Hauptquartier, da man uns sonst nicht genug Sicherheit garantieren könnte.
Aya scheint die Idee nicht so ganz zu schmecken, jedenfalls haben wir sie lang und breit diskutiert. Zwei Tage würde es wohl ohnehin noch dauern, bis alles geklärt sei und was weiß ich, wo da wieder das Problem lag. Also würden wohl Dienstag- auf Mittwochnacht hier wegkönnen. So ganz überzeugt sind wir noch nicht, aber wir haben nicht viel Auswahl. Mal sehen, was Aya und Omi noch so herausfinden…

Da ich den beiden ohnehin nichts helfen kann und Crawford uns für zwei, eher drei Tage Ruhe garantieren konnte, bin ich viel draußen. Dort muss ich niemandem beweisen, dass alles in Ordnung ist und dass ich mir keine Sorgen mache. Die Bäume stört es nicht, ob ich Optimismus verbreite oder nicht. Außerdem kann ich draußen rauchen. Und nachdenken. Verarbeiten.
Der Wald ist an sich recht dicht und Pfade sind keine erkennbar, sodass ich einfach aufs Geratewohl losgelaufen bin am Sonntagabend. Allerdings hat Crawford mich auf diesen Spaziergang begleitet, sodass ich mich trotzdem um eine heitere Miene und etwas Optimismus bemüht habe. Dass wir uns alle Sorgen machen, wissen wir. Aber es nützt halt nichts, sich gegenseitig was vorzujammern, da verschwinde ich lieber gleich.
Mit Brad redet es sich gut. Wir sind mittlerweile per Du und da uns beiden die Kurzform seines Vornamens besser gefällt, nenne ich ihn so, wenn wir alleine sind. Ich denke er ist ein guter Zuhörer, auch wenn meistens er derjenige ist, der am meisten spricht. Ihm zuzuhören bringt mich auf andere Gedanken und ehrlich gesagt weiß ich manchmal auch gar nicht worüber ich mit ihm reden sollte.
(Ich zeige Anzeichen wie kleine verliebte Schulmädchen, die sich nicht trauen ihren großen Schwarm anzusprechen *tropf*) Er erzählt einfach ein wenig drauflos, von seiner Arbeit, von Schwarz und macht sich und auch die anderen damit zu ganz realen Menschen mit Problem. Nicht mehr die Gegner Schwarz, sondern eine Familie, unserem ehemaligen Weiß-Haushalt gar nicht so unähnlich.
Es blieb jedenfalls nicht das letzte Mal, dass wir zusammen durch den Wald gingen oder uns stellenweise auch durch eben jenen hindurchkämpften, da wie gesagt, keine Pfade zu erkennen sind. Die Hitze spürt man im Wald nicht so sehr und ich mag den Geruch von Bäumen… Auf einem solchen Spaziergang am Montagnachmittag (wir gammeln alle nur so vor uns hin, beziehungsweise Aya und Omi können immerhin hin und wieder am Computer etwas arbeiten, sodass ich wirklich ZU viel Zeit mit den anderen gemeinsam verbringe, und weil das auf Dauer nicht gut geht, gehe ich raus) passierte es dann, dass Brad mir seine Hand reichte um eine kleine Böschung heraufzukommen. Nicht, dass ich das nicht auch alleine geschafft hätte, aber von ihm lass ich mir doch ganz gern mal helfen, zumal er darauf bestanden hatte, mir den Oberkörper mit etwas gegen die Prellungen einzureiben, sodass ich nun einen Verband trug, um das T-Shirt nicht einzusauen und dementsprechend in meiner Bewegungsfreiheit ein wenig eingeschränkt war.
Wie dem auch sei, er zog mich herauf und dabei blieb ich mit dem Fuß in einem kleinen Gestrüpp hängen und landete mehr oder weniger direkt in seinen Armen. Das wäre ja nicht so schlimm gewesen… mehr erschrocken war ich, weil sich unsere Lippen so halb getroffen hatten, da wir bereits auf etwa einer Höhe gewesen waren.
Nicht, dass ich mir nicht schon gewünscht hätte, ihn mal zu küssen, zu spüren, ob seine Lippen so weich waren wie sie aussahen, ob mich diese Lippen wirklich so glücklich machen könnten wie ich mir erhoffte. Aber wie bereits gesagt, wollte ich mir das hier nicht versauen und schon gar nicht dadurch, dass ich es so aussehen lasse, als ob mich nur sein Körper interessieren würde.
Brad hielt mich immer noch an den Oberarmen, beziehungsweise lockerte seinen Griff um den verletzten Arm sofort wieder, hielt mich aber weiterhin so, dass ich meinen Fuß aus dem Gestrüpp ziehen konnte und nun sicher stand.
Ich sah ihm also ins Gesicht um ihm zu bedeuten, dass alles okay wäre und wir weitergehen könnten. Wobei ich auch absolut keine Einwände dagegen hatte, dass er mich festhielt. Er schien zu spüren, dass mir dieser „Unfall“ mehr bedeutete als ich zugab, oder es ging ihm genauso oder was weiß ich, jedenfalls blieben wir noch einige, mir wie Stunden vorkommende, Sekunden so stehen in denen er mir nur tief und ein wenig forschend in die Augen blickte. Ich empfand seinen Blick nicht als unangenehm, viel mehr begann ich unter diesem intensiven Blick leicht zu schaudern und ich weiß nicht genau von wem es ausging, oder was der Auslöser war, jedenfalls trafen sich unsere Lippen erneut, mit voller Absicht. Zuerst sehr zaghaft und noch erstaunt darüber, dass es geschah, lagen meine Lippen auf seinen oder seine auf meinen, wie man das nun auch immer gern sehen möchte. Das Gefühl war der Wahnsinn… das kann man gar nicht beschreiben, wenn man es nicht gefühlt hat. Wie ein Blitz hat mich die Erkenntnis getroffen, dass ich genau diese Lippen und diesen Mann wollte und das wenn möglich für immer. Und dass ich diesem Mann schon längst verfallen war. Immer noch vorsichtig, aber nicht mehr ganz so zaghaft, begann ich meine Lippen auf seinen zu bewegen, was auch beantwortet wurde. Ich versuchte mehr von diesem Kribbeln im ganzen Körper zu bekommen, mehr von diesen Lippen zu spüren, mehr von ihnen zu schmecken und zu verinnerlichen.
In diesen Sekunden, in denen wir uns küssten, hätte die Welt untergehen können und es wäre mir egal gewesen.
Immer noch hielt er mich fest und das war wohl auch ganz gut so, meine Beine fühlten sich an, als ob sie gleich unter dem Gewicht meines Körpers nachgeben würden. Das war einfach zu schön um wahr zu sein, vor allem dass der Kuss erwidert wurde erschein mir wie das größte Geschenk auf Erden.
Schließlich trennten wir uns ein wenig und ein wirklich bezauberndes Lächeln zierte Brads Lippen. Ich habe vermutlich ähnlich glücklich gelächelt, was dieser einfache Kuss an Glückshormonen bei mir ausgeschüttet hatte, war enorm.
Keiner sagte ein Wort, aber ich denke, wir haben uns auch so verstanden. Für mich machten auch Brads Handlungen in der letzten Zeit plötzlich Sinn… vielleicht hatte ich diesen Gedanken zwar schon früher mal in Erwägung gezogen, ihn aber wieder von mir geschoben, weil es nicht glauben konnte oder wollte. Oder nicht wollte, dass ich mich irre.
Und nun standen wir uns gegenüber und schienen beide genau das bekommen zu haben was wir uns gewünscht hatten.
Er trat einen Schritt zurück, sodass auch ich von der Böschung in meinem Rücken wegkam, hielt aber immer noch meine linke Hand. Diese Geste zeigt mir noch mehr, dass da mehr war… und das machte mich wenn möglich noch glücklicher. Ich hätte heulen können vor Glück in dem Moment…
Erst nachdem wir weitere 5 oder 10 Minuten gelaufen waren, setzte ich an, um etwas zu sagen. Brad schien zu spüren, was mir auf der Seele lag und zog mich in eine sanfte Umarmung, sagte mir, dass es ihm ja genauso gehe und es vollkommen in Ordnung und zum derzeitigen Zeitpunkt sogar richtig sei, den anderen nichts zu sagen. Ich nickte nur, wollte mir nicht ausmalen, was Aya davon hielt, dass ich mich nicht nur mit Brad angefreundet, sondern sogar in ihn verliebt hatte.
Verliebt… ich habs tatsächlich geschrieben… komme mir irgendwie albern vor… aber es ist so.
Aya war ja schon wenig angetan davon, dass Brad überhaupt öfter hier war und sich manchmal mit mir unterhielt. (Von den meisten gemeinsamen Spaziergängen hat er nicht einmal etwas mitbekommen.)
Jedenfalls waren wir an diesem Montag länger als sonst spazieren, ließen die Nähe des anderen auf uns wirken, nahmen sie gleich nochmal viel intensiver wahr, als die Zeit davor. Sehr viel geredet haben wir nicht mehr… in dem Moment erschien es mir unpassend. Dass das, was wir gerade begonnen hatten, nicht unbedingt einfach werden würde, war uns auch so klar und damit wollten wir uns nicht die Stimmung trüben.
Selbstverständlich drehe ich mich nicht innerhalb weniger Minuten um 180 Grad, aber ich denke, dass ich mich Brad langsam öffnen kann, ihm auch zeigen kann, wenn es mir mal nicht so gut gehen sollte. Aber das wird sich mit der Zeit ergeben…
Wir trennten uns an jenem Abend bevor ich zu der Hütte zurückkehrte mit einem simplen Wangenkuss, eine Geste, die ich zur Begrüßung oder Verabschiedung bei Asuka gerne benutzte.
Mein vorrangigstes Problem war also, nicht irgendwie überdreht oder hyperglücklich auszusehen, immerhin steckten wir immer noch in Schwierigkeiten. Aber das gelang mit müheloser als gedacht.
Der Gedanke an unser verlorenes Zuhause, Omi und Aya, die mich über die aktuell aufgetretenen Probleme unterrichteten, Ken, der mit sich auch nichts rechtes anzufangen wusste und Omis Vergangenheit, die wir beide bisher geheim gehalten hatte…
Nicht zu vergessen, dass wir gesuchte Mörder waren und die Rückendeckung unserer ehemaligen Auftraggeber verloren hatten.
Also habe ich alle nach dem Essen dazu ermuntert, dass wir zusammen Karten spielen, was wir auch getan haben. Ein wenig Ablenkung und Spaß hat allen gut getan und vor allem Aya brauchte Erholung, da dieser doch noch ziemlich an seinen Verletzungen zu knabbern zu haben schien. Also scheuchte ich alle später ins Bett und war auch selbst ganz froh über einige Stunden Ruhe, denn die Nacht der Mission war noch nicht lange her und wirklich auf der Höhe war auch ich nicht.

Am Dienstag wiederholte sich dann das Spiel von Montag mit nur geringfügigen Abwandlungen. Die genauen Probleme mit der anderen Organisation will ich jetzt nicht schildern, jedenfalls will Aya nicht, dass wir noch einmal so abhängig von jemandem sind. Wir haben erfahren wie es ist, beinahe alles zu verlieren und wollen diese Erfahrung gewiss nicht wiederholen.
Auch mit Brad war ich wieder spazieren abends, nachdem er seine Arbeit erledigt hatte. Er befürchtet, dass Kritiker uns bald finden wird und ich teile diese Befürchtung. Wenn wir keine Rückendeckung von der anderen Organisation erhalten, sind wir auf uns gestellt und werden wohl fliehen müssen. Auch hierfür ist Omi bereits einen Plan am ausarbeiten… der Kleine hat es echt nicht leicht, und das obwohl er noch so jung ist…
Nun ist es Mittwochmorgen, oder beinahe Morgen. Der ruhige Schlaf ist schon wieder vorbei und solange wenigstens die anderen noch etwas Erholung finden, kann ich mich des Computers bemächtigen.

Es ist einiges passiert, was? Ich bin immer noch sehr glücklich über jede Minute, die ich mit Brad verbringe, aber die Probleme drängen sich im Moment ein wenig sehr in den Vordergrund. Aber Brad hilft mir, die Ruhe zu bewahren und auch für die anderen stark zu sein, auch wenn ihm das nicht bewusst sein dürfte.
5.7.06 05:53


Die Probleme wollen nicht enden…

Falls mich jemand vermisst haben sollte: Ich lebe tatsächlich noch.
Allerdings sieht das alles hier nicht ganz so rosig aus, wie ich mir das wünschen würde. Wir haben den Unterschlupf in der Hütte aufgegeben, bevor Kritiker uns dort findet, sodass wir hoffen, diese Hütte auch weiterhin in Zukunft nutzen zu können, falls es nötig sein sollte.
Brad hat nicht locker gelassen, bis wir uns in seiner Wohnung einquartiert haben. Die Verhältnisse dort sind zwar noch beengter als in der Hütte, aber Kritiker scheint noch nicht auf den Gedanken gekommen zu sein, dass Schwarz uns helfen könnte. Allein, bis wir in der Wohnung waren… das war eine Aktion. Mastermind, bzw. Schuldig wie er eigentlich heißt, hat die Wachen telepathisch abgelenkt, sodass wir auf das Gelände fahren konnten. Am Boden des Wagens versteht sich. Wir vermuten, dass Kritiker Rosenkreuz mittlerweile um Unterstützung gebeten hat, diese aber Wichtigeres zu tun haben, als sich um vier flüchtige ehemalige Kritikerleute zu kümmern. Weil würde Rosenkreuz ernsthaft suchen, wären wir innerhalb von 12 Stunden tot. Oder Schlimmeres.
Jedenfalls war das eine Nacht- und Nebelaktion, die wir heil überstanden haben.
Jedoch macht uns das ständige eingesperrt sein noch wahnsinnig. Es ist beinahe zwei Wochen her, dass einer von uns draußen war, denn ein Wald ist hier nicht zufällig in der Nähe. Es ist ein recht großes Wohngebäude, sodass man zumindest auf den Gängen ein wenig herumspazieren kann, aber so ganz das Wahre ist das auch nicht.
Und hier einmal ungestört an den Computer zu können ist auch nicht leicht. Außerdem habe ich auch lang nicht den Nerv dazu gefunden, mich hier hinzusetzen und das alles aufzuschreiben und zu ordnen. Aber irgendwie hat es mir dann doch gefehlt und da mein Schlaf in den letzten zwei Wochen ohnehin erheblich gelitten hat, kann ich die wache Zeit auch damit verbringen, das hier zu tippen. Die anderen schlafen alle, zumindest sollten sie das.
Aya haben wir dazu verdonnert das Bett zum Schlafen zu nehmen, da dieser am schwersten verletzt war und überhaupt die Erholung am Nötigsten hat. Denn er konnte nun auch schon zwei Wochen nicht nach seiner Schwester sehen, die er zum Glück vor der ganzen Aktion noch in Sicherheit bringen konnte. Brad hat ihn überredet, an seiner Stelle ab und zu nach ihr zu sehen, sodass Aya zumindest weiß, dass es seiner Schwester gut geht.
Omi und Ken habe ich auf die Couch im Wohnzimmer verfrachtet. Ersteren weil er so langsam an seine Grenzen stößt, weil er viel zu viel Last tragen muss und ebenso wie Aya sehr hart arbeitet um uns aus dem ganzen Schlamassel herauszuholen.
Zweiteren, damit er einfach aus den Füßen ist. Nichts gegen Ken, um Gottes Willen, aber seine Unruhe ist noch viel unerträglicher als meine, bzw. er kann sich langsam einfach nicht mehr beherrschen. Ihm wäre das Leben auf der Flucht wohl beinahe lieber als das ewige Verstecken…
Und ich beanspruche zum Schlafen den zur Couch gehörenden Sessel für mich. Und ich kann eigentlich nicht klagen, dass ich sonderlich schlecht darin schlafen würde. Von gelegentlichen Genickstarren abgesehen ist das wirklich besser als gedacht.

Wäre Brad nicht gewesen, wären wir jetzt irgendwo im Norden des Landes oder sogar im Ausland… Das Problem ist, dass die Organisation so langsam kalte Füße bekommen hat. Einerseits wollen wir uns nicht noch einmal in eine totale Abhängigkeit bringen und deshalb hat Aya lange mit den Oberhäuptern diskutiert. Nun dachten wir, dass endlich alles geklärt wäre, da werden wir von ihnen hingehalten. Scheint als hätte Kritiker Druck auf andere Organisationen gemacht. Was für uns nun wieder die Gefahr birgt, dass wir schlichtweg verraten und verkauft werden. Sehr knifflig also das Ganze.

Mir geht das auch alles ziemlich auf die Nerven… ständig damit rechnen, dass Kritiker uns irgendwie findet oder Rosenkreuz doch jemand auf uns ansetzt; ständig diese Angst und Unruhe; ständig der Versuch, die anderen bestmöglich zu beruhigen und für etwas Entspannung zu sorgen, weil wir sonst noch gegenseitig an die Gurgel gehen würden; ständig das Gefühl, in einem Käfig zu sitzen; ständig das Wissen im Hinterkopf zu haben, dass man kein Zuhause mehr hat, dass man eigentlich nichts mehr besitzt, außer die Klamotten am Leib und die paar Sachen, die man mitgenommen hat, dass mein geliebter Wagen wohl total ausgebrannt irgendwo verschrottet wurde, dass wir nicht an unsere Konten können und somit ziemlich mittellos dastehen; ständig die Anstrengung, sich zusammenzureißen und niemanden noch zusätzlich zu beunruhigen, sondern sich vielmehr um etwas Optimismus zu bemühen, obwohl man selbst eigentlich Lust zum Heulen hätte…
Das könnte ich alles noch ein wenig ausführen, aber ich denke jeder versteht jetzt annähernd, wie wir uns fühlen. Mittel-, heimat- und hobbylos. Wie ausgesetzte Katzen sind wir abhängig von der Hilfe anderer. Vor allem Aya macht das nach wie vor zu schaffen, aber wir haben keine Wahl.


Aber trotz all dieser Unannehmlichkeiten habe zumindest ich immer einen Lichtblick. Denn Brad kommt beinahe täglich vorbei und wir verbringen so viel Zeit wie möglich miteinander. Da wir uns geeinigt haben, niemandem etwas zu erzählen, geschehen diese Treffen also immer heimlich auf irgendeinem Gang, von welchem aus wie los“spazieren“. Der Wohnkomplex ist immerhin groß genug, dass man nicht ständig jemandem begegnet und auch bei den Fluren etwas Ausweichmöglichkeit hat.
Ken tigert zwar auch oft durch die Flure, aber Dank Brads Visionen hat uns bisher noch nie jemand zusammen erwischt.
Ich genieße die wenigen Stunden, die wir miteinander teilen können und mittlerweile würde ich es ohne diese nicht mehr aushalten. Dir Vorfreude darauf, Brad wiederzusehen hält mich bei Laune und macht es mir auch leichter, mich den anderen gegenüber so zu geben, wie ich das möchte: ruhig und so optimistisch wie eben möglich.
Diese Ruhe verdanke ich Brad, und auch wenn ich mich ihm gegenüber mittlerweile nicht mehr anders verhalte als gegenüber den anderen, so zeige ich ihm doch auch nicht mehr. Jeder von uns weiß, dass es gerade nicht einfach ist, aber bevor wir uns alle nur ständig bemitleiden und herumjammern sagen wir lieber gar nichts. So haben wir das schon immer gehalten und so halte ich das auch Brad gegenüber. Und ich denke umgekehrt ist es genauso.
Dennoch sind unsere Gespräche mit den Tagen offener geworden, wir reden natürlich viel über die momentane Lage, aber auch über angenehme Dinge. Über uns selbst, auch wenn das alles, vor allem von meiner Seite aus, immer noch recht vage und eher kurz ausfällt. Themen wie die Vergangenheit und dergleichen werden nicht angerührt und auch wenn ich eine miese Nacht hatte, bohrt Brad nicht weiter nach.
Er ist einfach für mich da und nimmt mich so wie ich bin an. Seine bloße Anwesenheit sorgt dafür, dass ich mich entspannen kann, aber noch viel schöner ist, wenn wir uns küssen und umarmen. Das Gefühl, nicht alleine zu sein und beschützt zu werden trifft mich eins ums andere Mal heftig, ich kann mich gar nicht daran gewöhnen, es ist jeden Tag wieder etwas Schönes und Besonderes. Brad muss ein Geschenk des Himmels sein, anders kann ich mir nicht erklären, wie ich sonst in so einer Lage so viel Glück finden konnte. Wie ich so viel Feingefühl und Zärtlichkeit erleben kann. Ein Blick aus seinen tiefen Augen und mir werden die Knie weich… wie bei einem kleinen Mädchen, das zum ersten Mal verliebt ist. Total peinlich eigentlich. Uneigentlich ist mir das jedoch egal, solange ich Brad in meiner Nähe weiß.
Ich weiß selbst, dass es nicht gut ist, sich dermaßen von einem Menschen abhängig zu machen, aber ich kann einfach nicht anders. Mich hat es voll erwischt und das zu einem Zeitpunkt und an einem Ort, wo ich es am allerwenigsten erwartet hätte. Und es ist deshalb nicht minder schön. Zu beschreiben was ich fühle ist schwierig, jemand dem es ähnlich ergeht wird mich auch so verstehen. Brad ist so vieles für mich, ein Ruhepol, wenn ich durchzudrehen drohe, ein Quell tiefster Zufriedenheit und ein Brunnen aus dem ich das Glück förmlich schöpfen kann, ein Mensch, der mich nicht wie eine Ware begutachtet oder auch anderweitig nur Interesse an meinem Körper zeigt, sondern ein Mensch, der sich ernsthaft für mich interessiert und dem ich vertraue.
Das größte Glück in den letzten Tagen für mich war jede Sekunde, die ich in seinen Armen verbringen konnte. Das Heimgetragenwerden damals hat mich wohl geprägt. Und auch wie schon das Jackett erkenne ich Brad selbst mit geschlossenen Augen allein an seinem Geruch.
Und dieses Glücksgefühl wurde vorgestern sogar noch gesteigert.
Einmal mehr spazierten wir nachts durch das Gebäude und landeten schließlich auf dem Dach, von wo man zumindest ein wenig frische Luft schnappen konnte. Um jedoch nicht dem dort oben herrschenden Wind ständig ausgesetzt zu sein, ließen wir uns in einer schwer einsehbaren Ecke nieder und genossen die Zweisamkeit. Irgendwann verlief sich unser Gespräch im Sande, da wir uns mit den Gedanken ohnehin nur im Kreis drehten. Brad zog mich beruhigend zu sich heran und nur zu gerne lehnte ich meinen Körper an den seinen, verflocht die Finger mit den seinen. Diese Umarmung vermochte mich mehr als 1000 Worte zu beruhigen und schlussendlich saß ich halb vor Brad auf dessen Schoß und fuhr mit einer Hand durch seine Haare. Genoss das seidige Gefühl an meinen Fingern und ließ diese sanft schließlich liebkosend weiter zu seinem Nacken und dem Hals wandern. Seinerseits streichelte Brad meinen Rücken und meine Seite, was mich vor lauter Wohligkeit zu leisen Gefallensbekundungen verführte. Als sich dann auch noch unsere Lippen ein ums andere Mal trafen, erst zärtlich schmeichelten, dann zunehmend intensiver neckten und schließlich leidenschaftlich forderten, war es vorbei mit jedem Gedanken daran, dass das vielleicht der falsche Ort und der falsche Zeitpunkt hierfür seien.
Wir wollten es beide, sehnten uns nach dem jeweils anderen Körper, suchten dessen Nähe und fanden diese auch schließlich in der wohl schönsten Nacht, die ich je erlebt habe.
Brads sonst so klare Augen waren lustverhangen und das Feuer, das seine Lippen auf meiner Haut entfachten brennt noch immer, sobald ich nur daran denke. Seine streichelnden Hände, die immer darauf bedacht waren, mir die größtmögliche Lust zu verschaffen, seine Haut an meiner, seine Blicke auf mir und sein Atem auf meiner Haut… allein bei dem Gedanken an diese unendliche Zärtlichkeit muss ich schaudern.
Es war kein blindes Begehren, das uns leitete, sondern der Wunsch, dem jeweils anderen etwas Schönes, etwas Besonderes zu schenken, und Liebe. Ich habe noch nie so intensiv gefühlt wie in jeder Nacht, als Brad uns in ungeahnte Höhen trieb.
Wie er liebevoll meinen Namen flüsterte, jeden Zentimeter meiner Haut mit Küssen bedeckte, seine warmen Hände meinen Körper zum Glühen brachten, mir mit seinen Küssen den Atem raubte und trotz all dieser Hitze mein Körper von Gänsehaut überzogen wurde.
Sein Körper ist noch schöner, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Makellose Haut und kräftige Muskeln konnten meine Hände und Lippen erforschen, genossen dabei jede einzige Sekunde. Seine Stimme, seine Berührungen, sein Anblick und seine Küsse raubten mir wahrlich beinahe den Verstand. Er machte diese Nacht unvergesslich für mich und ich fühlte mich so glücklich wie noch nie, als wir beide die Erfüllung erreichten.
Als ob nicht allein dieses wundervolle Beisammensein bereits für eine wahre Flut an Glückshormonen gesorgt hätte, machten mich seine folgenden drei Worte noch glücklicher. Versicherten sie mir doch, was wir beide schon länger fühlten und gaben sie mir doch das Recht, ihn von nun an als meinen „Liebhaber“ zu bezeichnen. Doch er ist nicht nur dies, sondern zugleich auch mein „Geliebter“, denn ich erwidere seine Gefühle und das nicht minder intensiv.
Dies war das Gefühl, welches ich immer gesucht und doch nie gefunden hatte, dies war es, was ich mir all die Zeit gewünscht und erhofft hatte. Und nun habe ich es gefunden… gefunden, wo ich es am wenigstens erwartet hätte.
Ich war vollkommen sprachlos vor lauter Glückseligkeit, ich wusste überhaupt nicht, wohin mit ihnen. Diese innere Wärme ließ mich sämtliche Probleme vergessen und nur an Brad denken, an den Menschen, dem ich so soviel verdanke und schulde.
Doch auch die schönste Nacht hat einmal ein Ende und auch die Müdigkeit forderte ihren Tribut. Lange waren wir noch still zusammen gesessen, hatten die Nähe des anderen ausgekostet und an nichts anderes als an uns selbst gedacht. So zogen wir uns schlussendlich wieder an und gingen langsam und leise zur Wohnung zurück. Dem Drang, ihn nicht loszulassen, konnte ich leider nicht länger nachgeben und so trennten wir uns an der Wohnungstür beinahe schon widerwillig. Jedoch mit dem Versprechen, dass er so schnell wie möglich wieder kommen werde.

So kam ich in dieser Nacht erst sehr spät ins Bett, respektive in den Sessel, und schlief erstmal bis zum nächsten Mittag durch. Die anderen waren so rücksichtsvoll mich nicht zu wecken und so fühlte ich mich gestern so gut wie schon lange nicht mehr. Nichtsdestotrotz konnte ich mich kaum dazu zwingen etwas zu essen, wie auch schon all die Tage zuvor. Aya kocht hier nicht minder hervorragend als früher im Koneko, aber uns ist irgendwie allen der Appetit vergangen, wenn wir so gemeinsam an dem kleinen Tisch sitzen und so stark an die gemeinsamen Essen in eben jenem erinnert werden.

Brad kam gestern leider nicht mehr vorbei, sodass ich die meiste Zeit alleine durch das Haus strich. Die meiste Zeit hielt ich mich dabei auf dem Dach auf, auf welchem ich auch in Ruhe rauchen kann, ohne jemanden damit zu stören. Was mich jedoch nervt, ist, dass alle meine Hosen, die ich aus der Hütte mitgenommen habe, ausnahmslos zu weit sind. Ich weiß, das ist nur eine Kleinigkeit, aber ständig trete ich auf ihren Saum und wäre schon einmal fast die Treppe deshalb heruntergefallen.

Der heutige Tag verlief ähnlich wie der gestrige und derzeit arbeiten Aya und Omi verstärkt an dem Fluchtplan, da wir kaum noch damit rechnen, heil irgendwo unterzukommen.
Kann also gut sein, dass das hier mein letzter Eintrag werden könnte.
Aber wir werden sehen…
18.7.06 20:59


Lichtblick...

Die letzten beiden Tage gingen recht ereignislos vorbei, weil sich an unserer Situation einfach nicht viel ändert momentan. Unsere Unruhe wird zwar beständig größer und wir sind mittlerweile auch soweit, dass wir eigentlich jede Minute fluchtbereit sind, aber das ändert noch nichts an unserem "Tagesablauf". Wir stehen nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht auf und checken die Mails, da dort momentan nichts Vernünftiges zustande kam, sollten wir danach theoretisch frühstücken, was ich immer elegant umgehe, indem ich mich aufs Dach verziehe und rauche. Frühstück war noch nie mein Ding, so früh am Morgen dann schon dreimal nicht, weil selbst ich habe mittlerweile eine recht frühe Aufstehzeit, vor allem im Vergleich zu früher.
(Früher... das klingt als ob unser altes Leben schon lange Zeit vorbei wäre, dabei war vor wenigen Wochen noch scheinbar alles in Ordnung...)
Jedenfalls warte ich dort oben, ob nicht Brad bereits Zeit hat und mich besuchen kommt. Mein einziger Ansporn, morgens aufzustehen. Ohne Brad ginge es mir entschieden schlechter. Das Gefühl, geliebt und behütet zu werden, gibt mir Kraft, Kraft, die nicht nur ich, sondern wir alle nötig haben. Die letzten beiden Tage kam Brad leider immer erst spät und recht kurz, sodass ich später wieder in die Wohnung zurückgekehrt bin und mich wahlweise ein wenig um Ken oder Omi gekümmert habe. Was nicht nur den beiden jeweils half, sondern auch Aya, der sich anders nicht helfen lassen will, als dass er sich nicht weiter um uns kümmern muss, damit er arbeiten kann.
Mittags war dann Zwangsessen angesagt, und selbst wenn wir alle beisammen sitzen und halbwegs vernünftig essen, so ist die Stimmung doch gedrückt und man sieht uns glaube ich allen an, dass es uns mit der momentanen Situation nicht gut geht. Selbst Aya ist noch fahler als sonst und seine Augenringe zeugen von den vielen Stunden, die er wach und grübelnd oder vor dem PC verbringt. Er lässt sich ja nichts sagen, und ins Bett stecken lässt sich ein Aya auch nicht so ohne weiteres.
Auch wirken die Gesichter der anderen ein wenig eingefallen und Omis Lächeln ist längst nicht mehr so strahlend, wie man es von ihm gewohnt ist. Nicht einmal sein Zeugnis hat er bekommen, weil der ganze Mist kurz vor Schuljahresende angefangen hat. Und ich verstehe, dass ihm das auch zu schaffen macht, immerhin wollte er ganz normal die Schule abschließen und später studieren... ein normales Leben führen. Aber auch das ist momentan leider zweitrangig, da es immer noch um unser Leben geht. Kritiker stellt sich entweder ganz schön dumm an, oder wir haben einfach sehr viel Glück, so lange unentdeckt zu bleiben. Ich weiß es ehrlich nicht und ich will es auch nicht herausfinden, indem ich das Glück herausfordere.
Gerne würden wir mal ein wenig nach draußen, einfach spazieren gehen oder so, und Aya will zu seiner Schwester, aber wir wollen es nicht riskieren. Unter anderem auch nicht, weil unser Unterschlupf Brads Wohnung ist. Wenn Kritiker das rausbekäme, könnte Schwarz ziemliche Probleme bekommen und das möchten zumindest Omi und ich keinesfalls. Wir verdanken Brad unser Leben und ich verdanke ihm noch so viel mehr... da kann ich ihn nicht noch zusätzlich in Gefahr bringen, indem ich leichtsinnig bin. Und auch dem Rest vom Schwarz sind wir verpflichtet, dann ohne Schuldigs Hilfe, wären wir wohl nicht heil in dieses Versteck gelangt, und auch die anderen beiden scheinen dicht zu halten. Je mehr ich mich mit Brad unterhalte, desto deutlicher wird, wie ähnlich Schwarz und Weiß sich sind. Beides sind "Familien" und haben ihre Sorgen und Nöte genauso wie auch die schönen Erlebnisse. Früher waren Schwarz nur die Gegner, die mit einem spielten, die einem zeigten, wie schwach man ist. Nun haben sie ein Gesicht und einen Namen und wirken sehr viel menschlicher. Auch wenn der Hauptgrund uns zu retten, für sie ist, dass wir ihnen dann als "Spielzeug" erhalten bleiben.
Brad und mir ergeht es da natürlich anders, aber von unserer Beziehung darf ja keiner etwas wissen. Aya würde austicken und ich denke auch die anderen beiden wären schockiert. Ich war ja anfangs selbst geschockt.
Aber ich liebe Brad wirklich. Das ist keine bloße Laune oder rein körperliche Anziehung. Und ich bin froh, dass ich dieses Gefühl nochmal so intensiv erleben darf, und dass dieses Gefühl erwidert wird. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie glücklich mich das macht...
Wir verbrachten die letzten beiden Nächte sehr ruhig und genossen einfach die Nähe des jeweils anderen. Nicht zuletzt deshalb, weil ich einfach sehr müde bin nachts und auch Brad nicht wirklich ausgeruht ist zur Zeit. Er macht sich so viele Sorgen und Gedanken um uns... Und wir müssen Tag für Tag vor uns hingammeln und kommen zu keinem klaren Ergebnis.

Heute Morgen kam Brad dann doch schon früh, was meine zugegebenermaßen nicht gerade berauschende Laune beträchtlich hob. Ganz zufällig erfuhr ich, dass heute Brads Geburtstag war und ich stand also recht dämlich mit leeren Händen da. Vorher hatten wir nie über dieses Thema gesprochen und selbst wenn, hätte ich keine Möglichkeit gehabt, etwas für ihn zu besorgen... Wie ich ihm verlegen gestehen musste.
Was ihn aber in keinster Weise störte. Aber da ich von mir behaupten kann, kein schlechter Masseur zu sein, bestand ich zumindest darauf, ihm etwas Gutes zu tun und massierte ihn ausgiebig und mit sehr viel Hingabe. Ich glaube so lange und so gerne habe ich noch nie einen Menschen massiert. Jedenfalls schien es ihm gefallen zu haben.
Leider konnte er nicht allzu lange bleiben und so kehrte ich bereits vor Mittag wieder zu den anderen zurück. Den Nachmittag verbrachten wir Karten spielend, wobei niemand so wirklich konzentriert war, und warteten mal wieder auf Neuigkeiten. Die Organisation hatte sich nämlich endlich vernünftig gemeldet und ging auch auf unsere Forderungen ein. Endlich scheint also alles geklärt, wir warten nur noch darauf, dass wir uns vorläufig im Hauptquartier in Sicherheit bringen können und uns dort neu organisieren können. Denn eine so große Organisation wie Rosenkreuz als Gegner zu haben ist nach wie vor kein Zuckerschlecken, aber als wir noch unter Kritiker gearbeitet hatten, ging das schließlich auch. Wir haben nicht vor, uns unterkriegen zu lassen und hoffen nun also auf genauere Instruktionen, die im Laufe des Tages und vor allem Abends noch kommen sollen.

Mehr gibt es momentan nicht zu berichten, aber es sieht immerhin nun wieder positiver aus, dass wir hier bleiben können und vielleicht bald wieder ein relativ sicheres Leben führen können. Aber wir werden ja sehen, was die Zukunft noch bringen mag...
21.7.06 16:22


Endgültige Entscheidungen...

Wie von uns allen erhofft und sehnsüchtig erwartet, kamen endlich die genaueren Instruktionen, welche uns die Möglichkeit geben, aus Brads Wohnung zu verschwinden und in den Schutz der Organisation zu tauchen. Wir nennen sie alle nur „Silber“, da wir uns selbst immer noch als „Weiß“ bezeichnen und dieser Name in keiner Weise verräterisch klingt. Aber es ist einfacher als „die Organisation, die uns aufnehmen wird“.
Jedenfalls schrieb Silber, dass wir morgen, also am Sonntag, zu einem gewissen Treffpunkt kommen sollen. Wir haben ihnen unseren derzeitigen Aufenthaltsort absichtlich nicht verraten, um einerseits Schwarz zu decken und andererseits erschien uns neutraler Boden für ein erstes Treffen am sichersten. Zwar müssen wir den Schutz der Wohnung dann für kurze Zeit verlassen, aber an einem Sonntag auf offener Straße wird uns schon nicht allzu viel passieren, zumal wir unverzüglich in das Hauptquartier von Silber gebracht werden.
Es ist pure Ironie, dass Silber ein Konkurrent von Kritiker ist, gegen den wir persönlich allerdings noch nie gekämpft haben. Sein Machtbereich erstreckt sich vor allem in Europa, aber Silber will sich nun auch in Japan etablieren und mit den anderen Organisationen hier mithalten. Und dafür kommen wir ihnen gerade gelegen, denn wir haben Informationen über Kritiker, an die sie sonst nur schwer gelangen würden und auch wenn das nichts ist, worauf wir stolz sein können, so sind wir doch ein starkes Team. Zwar kein Vergleich zu Schwarz, aber diese haben ja auch übersinnliche Fähigkeiten… sind also eigentlich außer Konkurrenz.

Als Brad später vorbeikam, erzählte ich ihm von den guten Neuigkeiten, denn endlich scheint es, als ob unser Leben in ständiger Angst ein Ende haben wird. Wir werden zwar noch sehr vorsichtig sein müssen, vor allem jetzt, wo Silber sich hier erst etablieren will, aber das ist immer noch leichter zu ertragen, als sich in einer kleinen Wohnung Tag für Tag zu verstecken und nichts zu tun. Man mag vielleicht denken, wir sind unvorsichtig, aber es wird wirklich immer unerträglicher, nur herumzusitzen und zu hoffen. Nun passiert zumindest endlich einmal etwas und das wurde auch höchste Zeit. Unsere Nerven neigen sich langsam dem Ende zu und keiner von uns kann die Karten noch sehen. Mir sind die Zigaretten ausgegangen und Ken lechzt schon seit zwei Wochen nach einem Fußball und einer Wiese.
Brad schien jedoch alles andere als begeistert zu sein, als ich ihm die, für uns doch verhältnismäßig sehr guten, Nachrichten berichtete. Wir saßen unter dem Dach im Treppenhaus, da das Wetter beschlossen hat, uns mit einem Sommergewitter einen Strich durch die Rechnung zu machen. Aber auch dort waren wir ungestört, sodass es uns nicht weiter störte. Jedenfalls saß ich mit dem Rücken an die Wand gelehnt neben ihm und erzählte, wie unser Plan für den nächsten Tag aussah. Dass ich mich trotz der bestehenden Gefahr freute, war wohl nicht zu übersehen, denn so munter habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Es motiviert einfach ungemein, wenn man wieder ein Ziel vor Augen hat und darauf hinarbeitet, anstatt nur untätig herumzusitzen. Auch bedeutet es eine Entlastung für Brad, wenn wir aus seiner Wohnung verschwinden und das, was wir über Silber in Erfahrung gebracht haben, macht uns Mut und Hoffnung, dass sie in der Lage sein werden uns zu schützen, sodass wir hoffentlich bald aus Kritikers Schusslinie sein werden.
Ich glaube nicht, dass Kritiker sich noch lange mit uns herumschlagen wird, wenn wir erst wieder einen Auftraggeber haben und uns besser organisieren können. So wichtig sind wir dann auch nicht. Zudem dürfte Kritiker damit beschäftigt sein, sich unter Rosenkreuz einzunisten. Jedenfalls erwähnte Brad am Rande, dass zur Zeit sehr viel Schriftverkehr fließe. (Nagi macht seinem Titel als Hacker anscheinend alle Ehre)

Umso verwirrter war ich also, als Brad keinerlei Zeichen von Erleichterung zeigte, sondern vielmehr noch besorgter als zuvor wirkte. Auch auf mein Drängen hin, zu sagen was los sei, schüttelte er nur kurz den Kopf und versuchte mich zu beruhigen und abzulenken. Er wollte später mit uns allen reden, meinte er. Also gab ich schließlich nach und machte gute Miene zum bösen Spiel. Wenn er es mir nicht sagen wollte, konnte ich ihn schlecht zwingen und ich habe kein Recht ihm Vorhaltungen zu machen. Natürlich war auch mir klar, dass wir uns dann wohl vorerst nicht mehr so häufig würden sehen können, und es war auch nicht so, dass mir das nichts ausmachen würde, aber ich dachte vor allem daran, dass es nach dieser Zeit auch wieder eine Zeit geben würde, in der wir uns mehr oder weniger gefahrlos treffen können würden. So gefahrlos sich ein Weiß mit einem Schwarz nun einmal treffen kann.
Auf jeden Fall ließ ich ihn in dem Glauben, das Thema sei für mich vorerst erledigt und zeigte mich nach wie vor von meiner fröhlichen Seite. In Gedanken war ich jedoch am Grübeln, was ihm daran so sehr missfallen könnte, dass unsere Rettung endlich in greifbarer Nähe war. Immerhin hatte er selbst uns den Kontakt zu Silber erst ermöglicht. Wie ich es auch drehte und wendete, ich kam zu keinem vernünftigen Ergebnis. Mir fiel einfach kein plausibler Grund ein, warum er jegliche Begeisterung vermissen ließ. Aber ich ließ es einfach auf mich zukommen und wartete, bis er schließlich mit uns allen sprach, genoss also so lange wie Möglichkeit unsere Zweisamkeit, auch wenn ich mich bemühen musste, weiterhin den gutgelaunten zu mimen.
(Wir betreten und verlassen nach wie vor die Wohnung getrennt und zeitlich versetzt, sodass niemandem auffällt, dass wir meistens vorher schon miteinander gesprochen haben.)

Als Brad also 20 Minuten nach mir die Wohnung betrat, bekam er von Aya noch einmal knapp und nüchtern die wichtigsten Fakten aufgezählt, die er durch mich jedoch schon alle kannte. Auch jetzt noch zeigte er keine Erleichterung, was auch die anderen zu verwirren schien, waren wir doch ihm ein Klotz am Bein und zudem ja eigentlich auch immer noch Konkurrenten. Vor allem Aya konnte sich nach wie vor nicht mit dem Gedanken anfreunden, in Schwarz’ Schuld zu stehen und hielt es dementsprechend für allerhöchste Zeit, dass wir hier wegkamen. Brad verpasste Kens Eifer darüber, dass wir endlich hier weg könnten, jedoch gleich einen Dämpfer. Und den Dämpfer verpasste er uns mit folgenden Worten allen:

„Auch wenn euch das momentan wie eine gute Lösung erscheinen mag, so muss ich euch widersprechen. Ihr werdet weiterhin in Gefahr sein und meine Vision bezüglich eurer Zukunft unter Silber, sieht nicht gerade sehr rosig aus. Genauer gesagt gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder, ihr kommt bei Silber gut unter und Kritiker gibt es irgendwann auf, oder aber ihr werdet überraschend erwischt und das, obwohl ihr euch sicher fühlt. Und die zweite Vision ist zu meinem Bedauern die wesentlich ausgeprägtere und wahrscheinlichere.“

Das saß. Im ersten Moment haben wir ihn wohl alle reichlich überrumpelt angestarrt, denn immerhin wird einem nicht täglich eröffnet, dass die lang herbeigesehnte Lösung höchstwahrscheinlich den Tod birgt. Bevor jedoch jemand widersprechen oder nachhaken konnte, sprach er bereits weiter:

„Ich denke ich hätte eine Lösung, welche euch ein Leben auf der Flucht ersparen könnte. Und wie ihr uninteressant für Kritiker werden würdet.“

Hier ging Aya dazwischen und wollte wissen, wo der Haken an der Sache sei, denn Brad schien dieser Vorschlag beinahe genauso wenig zu gefallen, wie unser bisheriger Plan.

„Ihr müsstet Schuldig an euer Gedächtnis lassen. Folgendes wäre der Vorschlag: Schuldig sorgt dafür, dass ihr alles, was mit Kritiker, Weiß und den Organisationen zu tun hat, vergesst. Schuldig würde dafür sorgen, dass ihr nur noch Erinnerungen als normale Floristen habt, welche wegen ihres Jobs zusammenleben. Ihr würdet das Koneko weiterführen. Wenn ihr alle Informationen vergesst, die euch Kritiker gegenüber gefährlich machen, so seid ihr völlig uninteressant für sie und werdet in Frieden gelassen.“

Von diesem Vorschlag sichtlich überrascht, herrschte einige Sekunden Stille im Raum. Ich weiß nicht, was genau in den anderen vorging, aber mein erster Gedanke war ein innerlicher Jubelschrei, dass wir auf so unkomplizierte Weise nicht nur Kritiker, sondern auch das Morden hinter uns lassen könnten. Mein zweiter Gedanke vernichtete eben diesen Jubel aber genauso schnell wie er aufgekommen war auch wieder. Kritiker und Weiß zu vergessen, bedeutet auch, Schwarz zu vergessen. Und Brad war ein Schwarz.
Diese Erkenntnis war niederschmetternd.

Noch bevor ich weiter nachgedacht hatte, sprach ich meinen Entschluss mit Nachdruck aus:
„Abgelehnt.“
Ich war über meine Aussage selbst ein wenig überrascht, als dieses Wort einige Momente im Raum zu schweben schien. Überraschung und Ungläubigkeit sahen mir aus Omis und Kens Gesichtern entgegen und selbst aus Ayas Miene ließ sich ablesen, dass er über eine so schnelle und deutliche Antwort erstaunt war. Aber auch er schien sich mit dem Vorschlag nicht anfreunden zu können, wie er gleich darauf auch mitteilte. Wo die Garantie dafür sei, dass wir wirklich unsere Ruhe hätten und warum wir ausgerechnet Mastermind trauen sollten. Auch, dass er sich von eben jenem bestimmt nicht gern im Kopf herumpfuschen lasse und dass er außerdem daran glaube, dass wir uns im Ernstfall gegen Kritiker zur Wehr setzen könnten.
Ken und Omi wirkten noch recht unentschlossen und verunsichert, warteten den weiteren Verlauf des Gesprächs ab, in welchem Brad näher erläuterte, dass Rosenkreuz noch weitere Telepathen habe, welche bestätigen würden, dass wir alles über Kritiker und die ganze Sache vergessen haben würden. Auch versicherte er uns, dass sich Kritiker nach lange an unsere Fersen haften würde und wir so schnell keine Ruhe und Sicherheit finden würden, selbst falls wir überleben sollten. Er wirkte bei seinen Darlegungen wirklich überzeugend und ich verstehe gut, dass die anderen schwankten, ja ich schwankte bei seinen Worten sogar beinahe selbst. Ein Leben ohne Morden, ohne Kritiker, ohne regelmäßig dem Tod ins Gesicht zu blicken und vor allem ohne die Angst… es klang schon verlockend.
Aber ich habe vor kurzem erst jemanden gefunden, den ich unter keinen Umständen vergessen und somit unwiederbringlich verlieren will. Jemanden, den ich wirklich und aufrichtig liebe und der dieses Gefühl erwidert. Jemanden, der mich annahm, so wie ich war, und bei dem ich mich geborgen fühlte.
Und wenn auch nur eine kleine Chance bestand, dass ich beides haben könnte, mein Leben und Brad, dann wollte ich dafür kämpfen.
Aya teilte meine Meinung, dass wir uns von Kritiker einfach nicht erwischen lassen würden und es war beruhigend, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine dastand.
Jedenfalls nahm Brad Aya mit wenigen wohlgezielten Worten den Wind aus den Segeln, denn wenn er sich weiterhin um Aya-chan kümmern wollte, konnte er nicht ständig auf der Flucht sein. Auch gab es nur wenige Sanatorien, die sich um Aya-chan kümmern konnten, ohne dass Kritiker davon Wind bekam.
Somit stand ich nun doch alleine da, denn auch wenn Ken und Omi zugaben, dass es ihnen nicht so ganz behagte, einfach Teile ihres Lebens zu vergessen, so überwogen in ihren Augen doch die Vorteile, die sich aus dem Vergessen ergeben würden.
Ich weiß, dass es Brad nicht leicht fiel, uns diesen Vorschlag zu unterbreiten und schmackhaft zu machen, aber egal wie sehr er sich auch bemühte, ich konnte und wollte diese Möglichkeit nicht akzeptieren. Ihn einfach vergessen… auch wenn ich nicht wissen würde, was mir entginge, so schmerzte mich dieser Gedanke bereits in diesem Moment umso mehr. Denn Brad würde sich an mich erinnern, und auch wenn das anmaßend klingt, denke ich, dass es ihm nicht gut tun würde, wenn ich ihn vergessen würde.
Und in gewisser Weise hatte Kritiker uns auch erst zu dem gemacht was wir waren: eine Gruppe junger Männern, die in bedingungslosem Vertrauen und in Freundschaft verbunden war. Unser Job hatte uns zusammengeschweißt und ich wollte auch nicht, dass uns das verloren ging. Ich war bereit gegen Kritiker zu kämpfen, allerdings empfanden es die anderen nicht länger als kämpfenswert.
Omi versuchte mich umzustimmen, doch in meiner Wut, ganz alleine mit meiner Meinung dazustehen, meinte ich, dass es ja wohl kein Problem wäre, mich auch noch zu vergessen, wenn sie nicht bereit waren zu kämpfen, sondern lieber den einfachsten Weg wählten. Es war ungerecht und ich verletzte die anderen damit vielleicht mehr als nötig, aber ich wollte Brad nicht einfach aufgeben.
Ich musste erst mit mir selbst ins Reine kommen, da die Meinungen der anderen gegen meine standen. Und ich verstehe die anderen auch. Mein Gott verdammt, wie ich sie verstehe… Hätte ich Brad nicht, würde ich auch zustimmen.
Aber Brad mit vollem Wissen und Absicht aufgeben? Bei dem Gedanken sträubte sich mir alles.
Wann war es nur soweit gekommen, dass ich meinen Partner über meine eigene Sicherheit stellte? Ich liebe Brad wirklich, das ist die einzige Erklärung. Und ich habe dieses Gefühl so lange gesucht und nun wo ich es gerade gefunden habe, soll ich es wieder verlieren? Das ist doch ungerecht. Manchmal hasse ich mein Leben wirklich…

Jedenfalls wandte ich mich ab und verließ die Wohnung um dieser deprimierenden Diskussion nicht länger beiwohnen zu müssen. Ich hielt die bittenden und auch leicht verwirrten Blicke der anderen nicht mehr aus. Sie verstehen nicht, warum ich die Erinnerungen an Morde über unsere Freundschaft stelle. Und ich kann mich ihnen auch nicht erklären.
Also verzog ich mich auf das Dach, wo es zwar immer noch leicht regnete, ich aber zumindest meine Ruhe hatte. Zigaretten hatte ich auch keine mehr, es regnete und überhaupt kotzte mich alles an. Sollte es wirklich darauf hinauslaufen, dass Brad der Preis für mein Leben sein würde?
Nein, das will ich nicht einsehen. Ich werde mich von Kritiker nicht töten lassen. Mag es auch ein etwas kompliziertere Weg sein, so bin ich doch bereit, ihn zu gehen.
Denn auch die kurzzeitige Hoffnung, dass ich Brad erneut kennen lernen könnte, löste sich bei genauerer Betrachtung in Luft auf. Rosenkreuz und vor allem Kritiker würden niemals zulassen, dass wir, dann ehemaligen, Weiß mit Schwarz in Verbindung treten würden, da die Gefahr bestände, dass wir uns erinnerten.
So war auch diese Möglichkeit nur eine kurzes Aufflackern von Hoffnung, das gleich wieder verlöschte.

Ich weiß nicht, wie lange ich dort oben saß und die Sache drehte und wendete, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Auch bemerkte ich Brad erst, als dieser direkt vor mir stand und mich ansprach. Und diesmal gelang es mir nicht, ein Lächeln auf mein Gesicht zu zwingen. Ich spürte förmlich, wie es verunglückte und ließ es deshalb gleich wieder bleiben. Ich konnte Brad nichts vormachen in diesem Moment. Zu sehr nagte es an mir, dass ich ihn verlieren werden würde, wenn ich nicht alleine gegen Kritiker kämpfen wollte.
Und so wie er sehen konnte, wie es mir ging, so konnte ich sehen, wie es ihm ging. Nur dass bei ihm der Verstand bereits den Sieg über das Herz davon getragen hatte. Er wollte mit allen Mitteln, dass ich mich nicht länger sträubte. Es sei ihm lieber, wenn ich ihn vergesse, als dass er Angst um mein Leben haben müsse. Er bat und beschwor mich, hielt mir vor, dass mir das Morden wichtiger sei als meine Freunde und wiederholte immer wieder, dass ich gegen Kritiker nicht bestehen könne.
Ich weiß nicht, wem von uns zuerst die Tränen kamen, aber egal wie sehr ich ihm widersprach, er gab nicht nach und hielt mich schließlich einfach nur noch in seinen Armen. Wenn ich mich nicht fügen würde, würde er mich zwingen, auch wenn mir das selbstsüchtig erscheinen sollte. Er konnte und wollte nicht zulassen, dass mir etwas zustieß genauso wenig, wie ich ihn vergessen wollte. Egal wie oft ich fragte, er sagte, es gäbe keine andere Möglichkeit. Auch mein Vorschlag, dass er mich mit Schuldigs Hilfe ebenfalls vergessen würde, stieß bei ihm auf taube Ohren.
Ich gab es irgendwann auf, ihm zu widersprechen, aber innerlich sträubte sich mir alles dagegen, jetzt aufzugeben. Schließlich standen wir uns in den Armen haltend nur noch stumm gegenüber und versuchten uns gegenseitig zu trösten.
Ich fragte schließlich nur noch, wann das Ganze vonstatten gehen sollte und erfuhr so, dass Brad und Schuldig morgen vor uns unserem Treffen mit Silber vorbeikommen wollten. Er hat mit Aya schon alles geklärt, da wir ja auch unsere Waffen abgeben und zum Koneko gebracht werden müssen, nachdem Kritiker davon überzeugt wurde, dass wir nur noch ganz gewöhnliche Floristen seien.

Also standen wir nur noch eng umschlungen auf dem Dach und versuchten die traurigen Gedanken so weit wie möglich in den Hintergrund zu drängen, damit wir wenigstens noch ein wenig schöne Zeit zusammen verbringen konnten. Aber wir konnten nicht ewig dort stehen bleiben, denn Brad musste abends zurück und die anderen warteten auch auf mich.
Also verabschiedete ich mich schließlich schweren Herzens von ihm und ging langsam zu seiner Wohnung zurück. Meine Tränen waren getrocknet und ich hatte mich wieder so weit unter Kontrolle, dass ich den anderen gegenübertreten konnte.
Die anderen waren zwar immer noch verwirrt über meine Reaktion, aber Omi war der einzige, der versuchte näheres aus mir heraus zu bekommen. Allerdings bat ich ihn nur, mich in Ruhe zu lassen und setze mich in die Küche und machte mir einen Kaffee.

Brad wollte also, dass ich unter allen Umständen vergaß. Und ich wollte genau das nicht. Freundschaft oder Liebe?
Ich raufte mir bald die Haare. Aber konnte ich nicht die anderen wieder kennen lernen? Irgendwann. Später. Wenn alles sich wieder beruhigt hatte?

Das war das Zünglein an der Waage, das mich meinen Widerstand nicht aufgeben ließ. Ich werde heute Nacht verschwinden und mich erst einmal verstecken.
Wie genau ich vorgehen werde und ob ich mich Silber anschließe, überlege ich mir jetzt noch genauer.
Dies wird also vermutlich der letzte Eintrag für lange Zeit sein, vielleicht sogar für immer.
Falls irgendjemand meiner Freunde hierüber stolpern sollte, so sei ihm gesagt, dass es mir Leid tut und dass mir diese Entscheidung alles andere als leicht gefallen ist.
Und ich will Brad meine Liebe und Dankbarkeit ausdrücken, für die ich nun zu kämpfen gedenke. Verzeih, dass ich mich dir widersetzen werde.

Das hier ist also so etwas wie ein Abschiedsbrief, auch wenn ihn vermutlich niemand lesen wird… mir würde bestimmt noch vieles einfallen, was ich sagen bzw. schreiben könnte, aber wenn ich jetzt anfange, kann ich womöglich nicht aufhören und werde letzten Endes noch sentimental…
Aber ich habe mich entschieden für meine Liebe zu kämpfen und mir auch meine Freunde zurück zu holen. Ich werde keine Kompromisse eingehen und etwas aufgeben, nur um das eine zu erhalten. Es mag egoistisch klingen, aber ich will beides.

Vielleicht habe ich damit mein Todesurteil unterschrieben… aber ich habe es dann zumindest versucht…
22.7.06 20:05





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